Fünf Tage, ein Länd

Drais unterwegs: Wie 17 Schülerinnen und Schüler Baden-Württemberg vom Thermalwasser bis zur Medienkunst erkundeten

Es gibt Wochen, die stehen im Stundenplan. Und es gibt Wochen, die landen im Fotoalbum. Vom 21. bis zum 25. September war die Drais-Gemeinschaftsschule mit dem Projekt „The Länd“ unterwegs – fünf Tage, fünf Ziele, 17 Schülerinnen und Schüler sowie Frau Kallidat und Herr Jackson. Was als Reihe von Ausflügen begann, wurde am Ende so etwas wie ein Querschnitt durch das Land: Kultur, Wissenschaft, Handwerk, Natur, Kunst. In dieser Reihenfolge. Und mit erstaunlich wenig Zeit zum Durchatmen.

Montag: Baden-Baden, oder wie man Geschichte einatmet

Der Start hätte kaum eleganter sein können. Baden-Baden empfängt Besucher nicht, es begrüßt sie – mit Kurpark, Kolonnaden und einer Ruhe, die man sonst nur aus Filmen kennt. Durch die Altstadt ging es zwischen Fachwerk und Fassaden hindurch, vorbei an den Spuren, die schon die Römer hier hinterlassen haben. Seit 2021 gehört die Stadt als eine der „Great Spa Towns of Europe“ zum UNESCO-Welterbe, und man versteht ziemlich schnell, warum.

Im Casino und der Trinkhalle wurde es dann kurz sehr still. Vergoldete Säle, Kronleuchter, roter Samt – ein Raum, in dem Geld offenbar eine andere Sprache spricht. Gespielt wurde selbstverständlich nicht, gestaunt dafür umso mehr. Und weil ein Kurort ohne Wasser nur ein hübsches Missverständnis wäre, endete der Tag bei der Caracalla Therme.

Dienstag: Experimenta Heilbronn – Anfassen ausdrücklich erwünscht

Am zweiten Tag wurde aus „bitte nicht berühren“ ein „bitte unbedingt ausprobieren“. Die Experimenta in Heilbronn ist das größte Science Center Deutschlands, und sie hält, was die Zahl verspricht: Etagen voller Experimentierstationen, Labore, ein Science Dome, in dem der Blick nach oben ins Weltall geht.

Der Plan sah vor, gemeinsam durch die Ausstellung zu gehen. Der Plan hielt ungefähr elf Minuten. Danach hatte sich die Gruppe in alle Richtungen verteilt – hier jemand an einer Versuchsanordnung, dort eine Kleingruppe, die eine Aufgabe offenbar als persönliche Herausforderung verstanden hatte. Genau so soll Naturwissenschaft aussehen: laut, neugierig und mit dem festen Willen, herauszufinden, was passiert, wenn man den Regler doch noch weiter dreht.

Mittwoch: Bäckerei Nussbaumer in Waldbronn – der ehrlichste Tag der Woche

Der Mittwoch war der leiseste Programmpunkt und für viele der überraschendste. In der Bäckerei Nussbaumer in Waldbronn beginnt der Arbeitstag, wenn andere noch gar nicht an Aufstehen denken. Wer einmal gesehen hat, wie viel Erfahrung in einem Teig steckt, wie präzise Temperatur, Zeit und Handgriff zusammenspielen müssen, schaut anders auf das Brötchen vom Frühstückstisch.

Für ein Projekt, in dem es auch um Berufsorientierung geht, war das der eigentliche Kern der Woche: ein Handwerk, das man nicht googeln kann, erklärt von Menschen, die es täglich ausüben. Dazu der Duft, gegen den jede Präsentationsfolie verliert. Dass am Ende auch probiert werden durfte, hat der Begeisterung nicht geschadet.

Donnerstag: Baumwipfelpfad Bad Wildbad – über den Dingen

Am Donnerstag ging es hoch hinaus. Mit der Bergbahn auf den Sommerberg, dann hinein in den Nordschwarzwald – allerdings nicht auf dem üblichen Weg, sondern rund 20 Meter darüber. Der Baumwipfelpfad führt auf über einem Kilometer sanft ansteigend durch die Kronen, bis zum Aussichtsturm, von dem aus der Schwarzwald aussieht, als hätte ihn jemand extra für diesen Moment arrangiert.

Der Abstieg trennte dann die Gruppe in zwei Fraktionen: Treppe oder Riesenrutsche. Die Mehrheitsverhältnisse dürften niemanden überraschen. Nebenbei entstand ganz ohne Arbeitsblatt eine kleine Geographiestunde – Höhenstufen, Waldaufbau, Tourismus im Schwarzwald, alles sichtbar in einer einzigen Aussicht.

Freitag: ZKM Karlsruhe – Kunst, die zurückschaut

Zum Abschluss fuhr die Gruppe wieder nach Hause – fast jedenfalls. Das ZKM in Karlsruhe liegt in einer ehemaligen Munitionsfabrik, was für ein Zentrum für Kunst und Medien eine fast zu schöne Pointe ist: Wo früher Waffen produziert wurden, arbeitet heute die Kunst mit Bildschirmen, Sensoren und Code.

Hier schließt sich der Kreis der Woche. Nach Wasser, Experiment, Teig und Baumkrone stand plötzlich die Frage im Raum, wie Maschinen unsere Welt darstellen – und wer dabei eigentlich wen beobachtet. Für eine Schule, die Medienbildung ernst nimmt, ist das kein Museumsbesuch, sondern Unterricht mit anderen Mitteln. Manche Installation reagiert auf Bewegung, andere lassen einen ratlos zurück. Beides ist erlaubt. Beides ist der Punkt.

Fazit

Fünf Tage, fünf sehr unterschiedliche Orte – und trotzdem ein roter Faden: Dieses Land lässt sich nicht aus einem Schulbuch heraus verstehen. Man muss in ihm herumlaufen, es anfassen, riechen, ausprobieren und gelegentlich hinunterrutschen.

Bleibt der Dank an Frau Kallidat und Herrn Jackson für Organisation, Nerven und Fahrpläne – und an 17 Schülerinnen und Schüler, die fünf Tage lang bewiesen haben, dass Neugier das beste Reisegepäck ist.

The Länd, gelernt vor Ort. Weitermachen empfohlen.